Selbsthilfe bei Erkrankung der Prostata

Josef Dietz

Kommentierung der Konsultationsfassung der PatientenLeitlinie "Prostatakrebs 1 - lokal begrenztes Prostatakarzinom"

Sehr geehrte Damen und Herren,

bezugnehmend auf Ihr Angebot zur Kommentierung der Konsultationsfassung der Patientenleitlinie "Prostatakrebs 1 - lokal begrenztes Prostatakarzinom" für Fachkreise, Betroffenenorganisationen und Patienten, Volltext unter: http://www.aezq.de/edocs/pdf/schriftenreihe/schriftenreihe41.pdf, ergänzt mit Fragebogen unter: http://www.aezq.de/edocs/doc/fragebogen-konsultation-lokalPCA, bis zum 1. bzw. 7. Oktober ( lt. Presseinformation auf der Homepage des Bundesverbandes Prostatakrebs Selbsthilfe www.prostatakrebs-bps.de ) 2009, erhalten Sie die nachfolgenden Informationen mit der Bitte um Beachtung und Berücksichtigung entsprechend dem neuesten Stand der wissenschaftlichen Fachliteratur in der neuen Leitlinie, wegen ihrer exorbitanten Bedeutung für die Patienten und das Gesundheitssystem insgesamt.

Zum derzeit verfügbaren Fachwissen einer kompetenten und gemeinsamen Therapiefindung von Arzt und Patient, gehört neben der Diagnostik des Gleason-Score, auch die Bestimmung der DNA-Zytometrie als erweiterter prognostisch relevanter Parameter und bereits anerkannter Leistung der gesetzlichen Krankenkassen, aus dem gleichen Biopsiematerial zur Bestimmung des Gleason-Score. Mit der DNA-ICM beim Prostatakarzinom könnte durch die Erfassung der Chromosomen-Veränderungen des Tumorgeschehens es gelingen, die wenig behandlungsbedürftigen Karzinome in der großen Masse der zunächst nicht behandlungsbedürftigen, zu einem frühen Zeitpunkt, also vor der Therapieentscheidung zu identifizieren. Diese zusätzliche biologische Bewertung der Tumorprogression beim Prostatakarzinom: diploid->, tetraploid-> und aneuploid ergeben Hinweise zu den therapeutischen Ansätzen z.B. auf die Hormonsensibilität und die Heterogenität des PCa.

Insofern deckt die nun erarbeitete S3-Leitlinie eben nicht alle Bereiche der Diagnostik ab. Die klinische Relevanz der DNA-Zytometrie ist für jede Therapieentscheidung beim Prostatakarzinom und insbesondere für die Therapie "Active Surveillance & Watchful Waiting" also aktive Überwachung und beobachtendes Abwarten und dort besonders im Grenzbereich der definierten Eingangskriterien von besonderer Bedeutung. Sie gibt nicht nur dem Arzt, sondern auch dem Patienten einer höhere Sicherheit. Gerade bei dieser Therapie, welche unter höchstem psychischem Druck der ohnehin durch die Diagnose traumatisierten Patienten, die sich nicht dafür entscheiden wollen und können oder häufig vorzeitig abbrechen und sich deshalb anderen Therapien zuwenden, weil sie glauben geheilt zu sein.

Im Interesse der Lebensqualität der Patienten und Entlastung der Kosten im Gesundheitssystem durch die Vermeidung unnötiger Therapien und Nebenwirkungen, sollte die DNA-Zytometrie als valider und objektiver prognostischer Marker adäquat erwähnt und umgesetzt werden. Sie ist ein geeignetes diagnostisches Instrumentarium zur Malignitäts-Gradierung aus ethischen, medizinischen und wissenschaftlichen Argumenten. Ebenso ist sie als zusätzliche Diagnostik im erweiterten Prognoseverständnis und zusätzlichen Parameter zur biologischen Potenz zum etablierten histologischen Gleason-Score, aus dem gleichen Zellmaterial jeder Erst- und Folgebiopsie als unverzichtbare Zusatzinformation zur Diagnose und Prognose geeignet.

Damit wäre der Zusatzaufwand mit geringen Kosten gegenüber den Vorteilen als weit überlegen gerechtfertigt und empfehlenswert und unterstützt, durch die deutlich verbesserte Beurteilung in der Einschätzung als Ausgangsbasis für die Therapieentscheidung erheblich das Vertrauen Arzt/Patient und minimiert gleichzeitig Haftungsfragen bei Therapieempfehlung und hilft in der Vermeidung unnötiger Therapien mit ihren Folgen.

Zur Unterstützung dieser Kommentierung erhalten Sie die aufgeführten Studien als Link:

Der Artikel aus "Spektrum der Wissenschaft" bzw. im Original aus "Scientific American" (2007) dokumentiert die Qualität und Aktualität der darin berichteten Ergebnisse zur chromosomalen Aneuploidie als Ursache der Entstehung von Krebs. Das Titelbild des Artikels illustriert, was bei der DNA-Zytometrie gemessen wird, nämlich das Ausmaß des Chaos der chromosomalen Aneuploidie in den Zellen eines Tumors. Je verschiedener die Chromosomensätze (und damit die DNA-Gehalte) in den Zellen eines Karzinoms und je abweichender vom normalen, doppelten Chromosomensatz sie sind, um so bösartiger ist der betreffende Krebs. Das gilt nicht nur für das Prostatakarzinom.

Diese Pubklikation stellt die biologische/zytogenetische Grundlage der diagnostischen bzw. prognostischen DNA-Zytometrie dar: 2007 Chaos Chromosomen P.Duesberg spw 10.07 1

Studien

1. Zur prognostischen Relevanz der DNA-Zytometrie beim Prostatakarzinom bzw. die Methode als solche: 2. Zur Reproduzierbarkeit des Gleson Scores 3. Zur Active surveillance betr. Einschlusskriterien und Outcome 4. Zur chromosomalen Aneuploidie bei Prostatakarzinomen als Ursache der Krebsentstehung (malige Transformation von Zellen): 5. Publikation von Chakravarti und Zhai (2003), welche eine Fülle konkurrierender, zum Gleason-Score zusätzlicher prognostischer Marker für das Prostatakarzinom in einer Literatur-Durchsicht untersucht und einzig die DNA-ICM in die CAP (College of American Pathologists) Kategorie II eingestuft hatten. Der Link zur Broschüre der Gmünder Ersatzkasse "Prostatakrebs- Diagnose und Prognose" 2008 lautet: https://www.gek.de/x-medien/dateien/broschueren/BARMERGEK-Broschuere_Prostatakrebs.pdf

Der Link zur Broschüre der Gmünder Ersatzkasse "Mit Zellen statt Skalpellen - Wie Cytopathologie Krebs frühzeitig und ohne Operation erkennen kann" lautet: http://media.gek.de/downloads/magazine/GEK-Edition-Mit_Zellen_statt_Skalpellen.pdf

Mit der DNA-Zytometrie wird die Malignitäts-Gradierung, also die malige Potenz des einzelnen Karzinoms objektiv, reproduzierbar und valide bestimmt. Zum Beleg, dass die DNA-Ploidie-Bestimmung das besser leistet als der subjektive und wenig reproduzierbare (70%) Gleason-Score, ist ein wissenschaftliches Poster von Pretorius et. al. (2009) aus Oslo beigefügt, dessen Inhalt ausführlich in der nächsten Ausgabe von
Cellular Oncology" erscheinen wird. Frau Pretorius belegt darin für Patienten mit Gleason-Score 7, wie unterschiedlich deren Prognose noch in Abhängigkeit des DNA-Malignitätsgrades ist.

Im Anhang 3 zum Schreiben von Professor Böcking vom 16.09.2009 erhalten Sie das Poster der Pretorius-Studie (2009) zur prognostischen Relevanz der DNA-Zytometrie im Vergleich zum Gleason-Score beim Prostatakarzinom nach radikaler Prostatektomie, siehe: Prostata DNA ploidi postermaria 2009

Zusammenfassung: Mit der derzeitigen PSA-Bestimmung werden Jahr um Jahr immer mehr PK ( 2008 >
58.000 ) bei immer jüngeren Männern neu gefunden. Frühzeitige radikale ( meist operative ) Therapie konnte die Todesfallzahl seit < 35 Jahren nicht reduzieren: 1971 starben mit 12.000 Männern ebenso viele an PK wie 2006.
Die Ergebnisse der Screening Studien (PLCO/ERSPC) belegen für einen heute 50jährigen Mann eine Wahrscheinlichkeit von 3% zukünftig an PK zu sterben. Ein minimaler Überlebensvorteil der Gesamtzahl älterer Studienteilnehmer belastet einen erheblichen Anteil aller anderen teilnehmenden Männer mit angstbesetzter Überdiagnose und Übertherapie mit ihren entsprechenden Nebenwirkungen und deren Kosten.

Die Gefährlichkeit des PK, sein Grading, wird subjektiv oder objektiv bestimmt: mit der Gleason-Score Methode beschreibt der Pathologe subjektiv mikroskopisch sichtbare Veränderungen der Architektur von Krebsgewebe (Histologie); die Cytometrie misst objektiv den DNA Gehalt der Krebszellen (Cytologie), der ihre Gefährlichkeit direkt abbildet.
Die DNA-Zytometrie indentifiziert therapiebedürftige PK´s objektiv, sie kontrolliert bei "Active Surveillance und Watchful Waiting" Strategie "harmloser" PK deren weitere DNA-Entwicklung, erkennt ob/wie Hormontherapie wirkt, zeigt die optimale Therapie für gefährliche PK, prüft die Wirksamkeit einer begonnenen Therapie und hilft die individuelle Prognose des PK einzuschätzen.
Schädigende Übertherapie wird durch Kenntnis der DNA-ICM ebenso wie verhängnisvolle Untertherapie verhindert und bei aktiver Überwachung- und abwartender Beobachtungs-Strategie bei "harmlosen" PK durch DNA-ICM Kontrolle abgesichert.

Wenn wir erreichen wollen, dass aus der großen Masse neu entdeckter PK "harmlosere" (wenig oder gar nicht behandlungsbedürftige) PK von jenen sicher unterschieden werden, die akut behandelt werden müssen, sollte vor jeder Therapie die Gefährlichkeit eines jeden PK - sein Malignitäts-Grading - nicht nur nach der üblichen Gleason-Score Methode, sondern zusätzlich mit der DNA-Cytometrie (DNA-ICM) bestimmt werden.

Mit freundlichen Grüßen
Josef Dietz
stellv. Vorstand im LPS-BW